KI-generierte Webseiten - shit in, shit out

About Me
Jenny Wullich

Warum Agenturen die KI-Welle ruhig surfen dürfen, ohne Angst davor zu haben - Solange sie eines nicht tun: das Denken abgeben.

Seit über vierzehn Jahren gestalte ich und ich gehöre zu den Designern, die ihre Idee auf den Punkt haben wollen. Nicht ungefähr, nicht zu 90 Prozent, sondern genau so - wie sie in meinem Kopf aussieht. Mit diesem Anspruch bin ich an meine erste KI-Website gegangen, die ich diesmal komplett mit Claude bauen wollte.

Es war Test und Learning zugleich.

Angefangen habe ich mit Opus 4.6, inzwischen bin ich bei 4.8. Auf die ersten 80% kam ich flott, doch dann wurde es zäh.

Direkte Steuerung statt Warteschleife

Am meisten überzeugt hat mich die direkte Steuerung. Normalerweise gibt man einen Auftrag in die Programmierung, wartet und hofft, dass das Briefing „OnPoint“ war, sodass der Programmierer bzw. in meinem Fall eine Programmiererin meine Idee 1:1 umsetzt. Man wartet ab, bekommt das Ergebnis, geht in die Korrektur. Hier nicht. Ich liebe es einfach mal zu experimentieren & das Ergebnis sofort zu sehen, ist für mich Gold wert.

Designfreiheit, kein Limit durch Baukästen.

Wir sind in der Gestaltung nicht durch starre Templates und langweilige Baukästen limitiert, hier gewinnt man als Webdesigner:in Freiheit zurück & hier sehe ich den eigentlichen Benefit, zumindest für den Designer. Man kann mit wenig Budget maximal frei arbeiten.

Optische Effekte

Viele aus meiner Sicht „einfache Themen“ dauerten lange, hingegen komplexe Themen spielend leicht umgesetzt waren. Das eine läuft wie von selbst, das andere zickt. Diesen Gegensatz konntest du im ganzen Projekt beobachten.

Keine Cookies, reines HTML

Was außerdem angenehm ist: Ich muss keine Cookies setzen. Reines HTML, fertig. Das ist nicht nur entspannt im Handling, sondern auch relativ sicher. Wo kein CMS und kein Login ist, ist eben auch wenig was angreifbar ist.

Nebenbei produktiv: Multitasking und weniger Kopf-Last

Ein Nebeneffekt, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Während Claude an einer Aufgabe arbeitet, entstehen immer wieder kurze Wartezeiten - und die ließen sich gut nutzen. Statt auf einen Ladebalken zu starren, konnte ich parallel andere Dinge erledigen. So lief der Website-Bau quasi nebenher, während ich an anderem weiterarbeitete.

Noch wertvoller als die gewonnene Zeit war für mich die mentale Entlastung: Wenn eine komplexe Aufgabe übernommen wird, muss ich sie nicht mehr komplett im Kopf behalten. Das spart Energie - und macht Multitasking spürbar leichter, weil ich nicht alles gleichzeitig im Kopf jonglieren muss.

Wo es hakt

1:1 nachbauen ist wie Würfeln

Im Netz gibt es tausend schöne Effekte, und theoretisch kann man die eins in die KI „werfen“. Jedoch nur theoretisch. Denn 1:1 nachgebaut bekommt sie nicht. Jedes Mal kommt etwas anderes bei raus, es war quasi wie Würfeln. Am Ende habe ich einfach den besten Treffer genommen und den dann angepasst.

Das eine ist gefixt, dafür das Andere kaputt.

Dann ging es an die einzelnen Seiten hier wurde es zäh. Ständig dasselbe Spiel: Etwas sieht gut aus, ich schickte einen Prompt für eine völlig andere Ecke, und das Schöne - was vorhin so liebevoll gepromted wurde, ist wieder kaputt. Den Farbswitch habe ich gefühlt zwanzigtausendmal angefragt. Jedes Mal, wenn die KI irgendwas darunter gesetzt hat, ging er wieder nicht. Und die Popover im Menü? Funktionierten lange nicht. Ich musste die Dinge doppelt und dreifach anfassen. Für Tasks, die in meinen Augen wirklich simpel sind, hat die KI teils ewig gerechnet.

Der Trick mit dem einen Chat

Der erste Chat war ein Erlebnis; ich konnte wahnsinnig viel reinpacken und habe mich gewundert, was Claude alles kann. Doch sobald drei, vier Seiten drin waren, fing das Struggeln an und plötzlich wurde manches einfach nicht mehr verarbeitet. Also bin ich auf mehrere Chats umgestiegen, alle im selben Projekt, jeder Seitentyp in seinem eigenen Bereich. Das Ergebnis: Header und Navigation litten unter Versionsunterschieden. Erst als ich alles in einen einzigen Chat gepackt und von dort orchestriert habe, lief es rund. Bei der Übergabe hat Claude mir übrigens selbst zur ZIP geraten. Hochgeladen, nochmal bearbeitet, wieder runtergeladen, passt.

Steuerbarkeit und Wartung

So sehr mir die direkte Steuerung beim Aufbau hilft, so kritisch sehe ich sie bei der Übergabe an die Unternehmen. Sobald ich so eine Seite an ein Unternehmen gebe: kann am Ende jeder - der über den Chat die Seite bearbeitet, eine ganze Menge kaputtmachen.

Ohne HTML-Wissen geht es nicht

Und dann ist da noch was, das man nicht wegreden sollte: HTML muss man können. Wer technisch komplett „lost ist“, kriegt auch mit der besten KI nichts Rundes hin. Das ist keine Zaubermaschine, die jedem eine fertige und technisch einwandfreie Website schenkt.

Meine Tipps, wenn du es selbst probierst

Das Wichtigste zuerst, und das ist eigentlich der ganze Kern: Gib so viele Informationen rein wie möglich. Nicht nur „bau mir X“, sondern die Hintergründe, den Zweck, die Zielgruppe, die Geschichte dahinter. Bei der KI ist es kein Stück anders als sonst in meiner Arbeit. Ich muss erst verstehen, wovon die Geschichte erzählt, bevor ich ihr eine Gestalt geben kann. Was du nicht reingibst, wird auch nicht umgesetzt - so einfach ist es.

Dazu noch ein paar Sachen ganz konkret aus der Praxis:

  • Mach möglichst alles in einem einzigen Chat. Verteilst du es auf mehrere, reißen dir Header und Navigation immer wieder auseinander.
  • Sieh Effekte als Erkundung, nicht als 1:1-Auftrag. Lass dir Varianten zeigen, nimm den besten und feile dann nach.
  • Sichere nach jedem größeren Schritt deinen Stand, am besten als ZIP. Ein Eingriff an einer Stelle zerschießt dir gern die nächste.
  • Barrierefreiheit zum Beispiel baut die KI nicht von allein ein, und wer sie nicht kennt, fragt sie nicht ab.

Der Heilige Gral?

Viele in der Branche behandeln KI gerade wie den heiligen Gral - das ist eigentlich die gute Nachricht: Ihr müsst keine Angst vor dieser Welle haben, ihr könnt sie einfach surfen. Überrollen wird sie euch nur in einem einzigen Fall, nämlich dann wenn ihr die KI braucht um besser zu werden. Das Wissen was es benötigt muss vorhanden sein & daran werden viele der Kunden, beim Versuch ihre Webseite selbst zu bauen, scheitern.

Benjamin Trenkle, Senior-Programmierer Joomla! und Website-Spezialist, bringt es auf den Punkt:

„KI ist ein Werkzeug, und das muss man bedienen können. Nicht die Lösung aller Probleme.“

- Benjamin Trenkle, Senior-Programmierer Joomla! & Website-Spezialist (wicked-software.de)

Mein Fazit bleibt: shit in, shit out. Was du nicht weißt, kannst du nicht reingeben. Was du nicht reingibst, wird nicht umgesetzt. Und genau deshalb werden wir vermutlich noch viele halbfertige Webseiten sehen. Auf die ersten 80 Prozent kommst du schnell. Aber die letzten 20, gerade als Designer, der es hundertprozentig genau will, die zwicken und sie sind superanstrengend umzusetzen, auch weil die KI nicht immer genug Kapazität dafür mitbringt.

Zeitersparnis? Bei mir ehrlich gesagt gleich null. Klar war ich schnell bei den 80 Prozent. Aber weil ich es eben hundertprozentig haben will, saß ich an diesen elf Seiten am Ende länger, als wenn ich sie einfach in WordPress „gerockt“ hätte. Mittlerweile sind es drei Wochen. Wer klein und schnell eine richtig schöne Seite braucht, ist hier bestens aufgehoben. Aber das letzte Fünftel, das dein Projekt „rund macht“ das holst du dir am Ende immer noch selbst und was wenn der Kunde alle Buttons „abgerundet“ haben möchte? Du kannst es nicht versprechen bevor du es getestet hast.

Was am Ende den Unterschied machte

Noch eine ehrliche Beobachtung: Am Anfang lief es zäh - Claude blieb hängen und lieferte nicht das, was ich brauchte. Den Ausschlag gab am Ende nicht ein „klügeres“ Modell, sondern mehr Spielraum. Mit einer höheren Nutzungsstufe lief ich nicht mehr ständig in Limits, hatte durchgehend Zugriff auf das stärkste Modell und konnte große Aufgaben am Stück durchziehen.

Ab da tat das Tool zuverlässig, was es sollte. Die Erkenntnis: Es hängt weniger an Magie als an Spielraum - und der ist eine Frage des gewählten Tarifs. Schade nur, dass dieser Zusammenhang nirgends so richtig kommuniziert wird.

Mein Blick nach vorn

Die eigentliche Zukunft der KI im Webdesign sehe ich woanders. Nämlich darin: Templates für bestehende Content-Management-Systeme zu bauen. Genau da gehen meine nächsten Versuche hin: Ich bleibe in dem CMS, das ich von Grund auf gelernt habe, und lasse mir dort Templates bauen, die mit meinem eigentlichen Theme kompatibel sind. Denn da bin ich mir ziemlich sicher, kann die KI richtig gute Arbeit leisten und wir verlieren somit nicht die ganzen Kunden, die nun auf CMS-Systemen sitzen.

Komplette KI-Webseiten für Unternehmen sehe ich dagegen aktuell kritisch.

Und eines noch ganz ehrlich: Der Code, der dabei herauskam, war über weite Strecken absolute „Grütze". Dass ich das überhaupt geradebiegen konnte, lag einzig daran, dass ich Ahnung von der Materie habe & mit Visual Studio Code umgehen kann. Ohne dieses Wissen wäre das Ganze gescheitert.

Mein KI-Kurs: Vom Print ins Web

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Jenny Wullich

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