Für den Blinden- und Sehbehindertenverband Schleswig-Holstein eine neue Website zu gestalten, hieß: Die Menschen, die am genauesten beurteilen, ob sie funktioniert, sehen den Bildschirm nie. Genau das hat dieses Projekt zu einem der lehrreichsten gemacht, die ich begleiten durfte.
Ausgangslage
Die alte Seite des Verbands war in die Jahre gekommen, optisch wie technisch. Sie brauchte einen Neuanfang, der nicht nur frischer aussieht, sondern für die eigene Zielgruppe wirklich bedienbar ist. Und diese Zielgruppe stellt die höchsten Ansprüche, die man an Barrierefreiheit überhaupt stellen kann: Menschen, die blind sind oder wenig sehen und ihre Website täglich mit Screenreader und Tastatur erleben.
Es geht nicht nur um Technik und Design
Das eigentlich Spannende an diesem Projekt lag gar nicht im Code, es lag in der Zusammenarbeit. Wie zeige ich einen Entwurf jemandem, der ihn nicht sehen kann? Wie halte ich ein Video-Meeting, in dem die eine Seite das Layout nur hört und die andere es sieht? Wie beschreibe ich Gestaltung in Worten, die wirklich tragen? Für all das haben wir eigene Wege gefunden, mit viel Geduld, klaren Beschreibungen und der Bereitschaft, ehrlich zu sagen, was geht und was (noch) nicht.
Der eigentliche Auftrag
Unter der Oberfläche steckte echte Feinarbeit. Navigation und Suche habe ich so überarbeitet, dass Screenreader sie zuverlässig vorlesen und in einer sinnvollen Reihenfolge durchlaufen. Eine Apple-Aktualisierung, die unterwegs für Ärger sorgte, haben wir abgefangen. Und im Hintergrund arbeiten kleine, aber wirksame Helfer, etwa die Möglichkeit, Seitenvorlagen zu duplizieren, ohne jedes Mal die komplette Navigation mitzuschleppen, sowie eine durchgängig erreichbare Menüführung. Bei der Programmierung stand mir Anne K. Frey zur Seite.
Fazit
Entstanden ist eine Website, die niemanden ausschließt, und die von genau den Menschen geprüft wurde, die es am besten können. Barrierefreiheit war hier kein Häkchen am Ende, sondern der ganze Punkt. Sie ist live:
